19.05.2010 23:30

Polit-Kabarett: Mindener Stichlinge beamten sich "In die Zukunft"

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Von: NiMa Anwander-Baranowski

Guetersloh (nima). Herr kulturgueter-Hensdiek und ich fanden uns am Dienstag zu den "Mindener Stichlingen" in der Stadtbibliothek Guetersloh ein. Presse, erste Reihe. Ein wenig taten mir die Kabarettisten ja schon leid,  direkt vor der Buehne solche Streber mit Stift und Block sitzen zu haben. Wenn ich also manchmal wie ein Schaf geguckt habe, dann war das mein Konzentrationsgesicht. Ich fand euren Auftritt wirklich großartig.

 

Das Amateurkabarett (was fuer eine unzutreffende Bezeichnung!) spielte bereits sein 39. Programm. Nun ging mit dieser Saison, auch die Spielzeit des 72jaehrigen Urstichlings Dieter Fechner zu Ende. Deshalb bin ich geehrt, noch seine letzte Buehnenpartie mitbekommen zu haben, obwohl Fechners Trauer ueber seinen Abschied im gesamten Stueck spuerbar gewesen ist.

 

Das Programm 2010 titelte sich daher passend „In die Zukunft“ und praesentierte zudem ein neues Gesicht:  Guido Niemeyer. Diese Information entnahm ich der tollen Pressemappe. Vielen Dank fuer diese Muehe, verehrte Stadtbibliothek.

 

Guido Niemeyer hatte sich jedenfalls außerordentlich gut integriert, denn die Harmonie der Kabarettisten untereinander schien ungebrochen. Somit kann Dieter Fechner wuerdig die Weltenbretter verlassen.

 

Die musikalische Begleitung des Pianisten Dietmar Moeller in und zwischen den einzelnen Programmpunkten war wundervoll. Ebenso die Gesangseinlagen der Kuenstler und rin. Eine gelungene Kombination.

 

Vielleicht sendet Herr Brandt der SPD nun aus dem Jenseits tatsaechlich Tipps und Tricks, nachdem die Stichlinge zum wiederholten Male: „Willy, hilf“ gen Himmel schrien.

 

Bei ‚Kormoran‘ mit Oliver Roth und Rolf Mietke ergab der gelbschnaeblige, schwarzgefiederte Vogel des Jahres 2010 den Bezug zur Regierung und das Publikum amuesierte sich bei Saetzen wie „Man darf halt nicht alle Kormorane ueber einen kampetern“ .

 

Als Kirsten Gerlhof fragte, wie sie Landesmutter des Jahres werden koenne, bekam sie doch prompt ‚Kraft durch Freude‘ zur Antwort. Diesen Slogan moechten wir aber weniger „in die Zukunft“ tragen.

 

In Krisenzeiten empfehlen die Stichlinge: „Pfeif auf die Krise – das Leben ist schoen!“ Was in jedem Fall zu unterstreichen ist.

 

Mein Kostuem-Highlight waren die ‚Goldgraeber‘. Roth und Mietke als Eisbaer und Pinguin zum Klimawandel. „Ich hab‘ schon mal uebers Aussterben nachgedacht.“ – „Welchen Bedarf hat die Welt auch an Eisbaeren?“ Danke fuer die Lacher. Große Klasse!

 

Als Gerlhof und Mietke allerhand spektakulaere Forschungsergebnisse, wie „Haendchen halten beruhigt“ oder „Schnarchen beeintraechtigt die Nachtruhe“ praesentierten, endeten sie mit dem wahrheitstreuen Hinweis: „Die Wirklichkeit ist schlimmer, als die Realitaet“.

 

In Dieter Fechners letztem lyrischen Solo-Sketch punktete er vor allem mit: „Der Papst schrieb ein Entschuldigungsschreiben an die Iren, doch nicht an die Seinen“ und „Kommen die Viren zu Vieren, kannste Schweinegrippe riskieren.“

 

Die Interaktion mit Zuschauerin Christel verdient Extra-Applaus und stellte damit ins Licht, dass Glaube und Hoffnung Hochkonjunktur haben. Klingt komisch, ist aber so.

 

Kaemmerer Oliver Roth sorgte mit seiner feuchten Aussprache noch kurz vor Schluss dafuer, dass die Stadtbibliothek sauber verlassen wird, weil er versuchte die Haushaltsloecher mit seinen Goldzaehnen zu stopfen.

 

Gegen Ende wurden Dieter Fechners Stichlings-Jahre mit einer Urkunde und diversen Praesenten geehrt und der ruehrende Polit-Satiriker gestand: „Es is` heut, als sacht die langjaehrije Jeliebte, ick haett `nen Juengren jefunden.“


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