09.05.2010 22:22

Freie Waldorfschule Guetersloh: Eurythmie-Auffuehrung der 12. Klasse

Rubrik: NiMas BlogBuch, Theater, Schulkultur, Ausstellung&Kunst, Startseite
Von: Ni-Ma Anwander-Baranowski

Mondschein-Sonate (zwar verschwommen, aber dennoch ein tolles Foto)

Kleine Hexe mit Rabe Abraxas

Niewind liest Preußler

Walpurgisnacht: Hexentanz (mystisch verschwommen)

Peer Gynt - Suite "Ases Tod"

Großartige Darstellung!

"John Maynard"

Finale mit "Claire de lune" - wunderschön!

Applaus den Eurythmisten!

Herzlichen Dank!

Teil der 12. Klasse

Michael Niewind - Eurythmist der Schule

Guetersloh (nima). Im Zuge ihres Eurythmieabschlusses fuehrte die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Guetersloh heute ein ausdrucksstarkes Programm auf.

 

Sie tanzten also ihre Namen? Das ist die gaengige Assoziation, mit der Waldorfschueler konfrontiert werden. Und ja, in der Eurythmie (von altgr. εὖ eu „gut“, „richtig“ und ῥυθμὀς  rythmos „Rhythmus“) formiert der Koerper Sprache. So liegt es nahe, dass jeder Laut in einer bestimmten Bewegung dargestellt werden kann. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, Eurythmie zu sehen, besser noch selbst zu tanzen. Dies gilt apropos fuer alle Abhandlungen anthroposophischer Art. Erst beim Erleben wird einem die Synaesthesie dieser Kunst bewusst.

 

Heute jedoch war ich anfangs unkonzentriert, oder angespannt und somit konnte ich die Auffuehrung aus den letzten Reihen der neuen Aula weniger genießen. Obwohl die „Mondschein-Sonate“ und die folgenden sechs Szenen aus Preußlers „Die kleine Hexe“ gut eurythmistisch inszeniert wurden. Aber aus dieser Hoehe, fernab der Buehne zogen sie mich nicht in ihren Bann.

 

Als ich mich nach der Pause – vor allem wegen meiner dysfunktionalen Digitalkamera – in die erste Reihe setzte, nahm ich das Geschehen ganz anders wahr. Zu „Ases Tod“ aus der Peer Gynt-Suite war ich von den flatternden Gewaendern, dem Licht und der Koerperbeherrschung der Darstellenden derart fasziniert, dass meine Seele innerlich mitzutanzen schien.

 

Der Vorteil eines Platzes in der ersten Reihe ist sicherlich, dass man mit der Buehne verschmelzen und das restliche Publikum hinter sich lassen kann. Die Frequenzen der Gedanken saßen mir allerdings zum Nachteil im Nacken. Das Los der Sensitiven.

 

Dennoch befand ich mich auch noch bei der Interpretation zu Jiménez‘ Gedicht „Ich bin nicht ich“ im Rausch der Eurythmie.

 

Ich bin nicht ich.

Ich bin jener,

der an meiner Seite geht, ohne dass ich ihn erblicke,

den ich oft besuche,

und den ich oft vergesse.

Jener, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,

der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,

der umherschweift, wo ich nicht bin,

der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.

 

Fantastische Kombination! Eurythmie wird meist durch Musik, oder gesprochene Worte begleitet. So ueberzeugte Michael Niewind, Eurythmist der Schule, wahrhaft durchgaengig mit seinen lebhaften Vorleserqualitaeten. „John Maynard“ war toll, aber die Krone setzte er den Tänzern und (jaja) Innen dann mit seinem masurischen Mischmasch zu Siegfried Lenz‘ Erzaehlung „Eine Sache wie das Impfen“auf. Diesen Text lege ich uebrigens allen Impfbefuerwortern ans Herz! Aeußerst gelungen waren auch Morgensterns Humoreske „Das Mondschaf“ und der wunderschoene Schlussakt „Claire de lune“ nach Debussy.

 

Ich wuensche euch Zwoelftklaesslern einen selbstbestimmten, zielgerichteten Werdegang und hoffe irgendwen von euch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wiederzusehen. Hierzu lobe und ermutige ich den Raben Abraxas noch einmal separat. Alles Liebe!


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