Gütersloh (kgi). "Stell dir vor, du genießt einen lauen Sommerabend mit Freunden. Du denkst nichts böses und dann kommt die Frage: Kommst du mit auf die Bühne?" - Mit dieser Frage, die für viele wohl eher unangenehme Gedanken auslöst, wurde die Zuschauerin Daniela kurzfristig zum Mittelpunkt des Geschehens. Plötzlich stand sie auf der großen Bühne vor einem abermals sehr gut gefüllten Platz. Der dritte Abend der Woche barg einige Überraschungen und zeichnete sich vor allem durch kurzweilige, schwungvolle und elegante Unterhaltung aus.
Doch nochmal zurück zu Daniela: Auf die Bühne geholt wurde sie vom Cello-Rock-Pop-Quartett "Cellomania". Verwickelt in die Geschichte eines "normalen Tages", in die Suche nach der Frau für's Leben und mit der Erkenntnis, dass mit Musik alles viel einfacher geht, erlebte sie eine besondere Überleitung zum Stück "Whiter Shade Of Pale", welches die vier Cellisten in ihrem ganz eigenen Stil präsentierten, der schwer in Worte zu fassen ist. Mal erschallen weiche und vertraut klingende Cello-Töne, oft gefolgt von einem unverkennbaren rockig-rhythmisiertem Spiel bis hin zum virtuosen und bildlich zu nehmendem Tanz mit den Instrumenten. Da spielen sich Vollblutmusiker in einen Rausch, nehmen ihre Idee ernst, intonieren Rock-Songs wie "Nothing Else Matters" oder "Come Together" mit Hingabe, Gefühl und einem gewissen Grad an Perfektion, nicht zu vergessen die Spielfreude und die Show-Qualitäten der vier studierten Cellisten aus Berlin. Kaum treffender zu formulieren war eine Zuschauerin vom "Distanzlosen Umgang mit den Instrumenten" restlos begeistert.
Zwar machte es ihnen das (auch am dritten Tag zu erwähnende) "typisch Ostwestfälische" Publikum zu Beginn nicht leicht, doch mit jedem Stück übertrug sich mehr und mehr die Begeisterung, die die Musiker mit im Gepäck hatten. Das Eis war spätestens geschmolzen, als sie kurz vor Schluss ihres Programms tief in ihre Koffer griffen und kleine Rasseln per "Luftpost" an das Publikum schickten, welches sich nun nicht länger bitten ließ und komplett von den Bänken erhoben mitklatschte und -rasselte. Sicherlich einer der unvergesslichen Momente dieser zehnten Woche der kleinen Künste!
Ebenfalls sehr gelungen waren an diesem Abend die Anmoderationen und die Auszüge aus dem Programm des vielfach preisgekrönten Kabarettisten Thomas Philipzen, der bereits 2005 den Platz vergnügte. Provozierte er mit Genuss zu Beginn des Abends noch lokale Konflikte zwischen anwesenden Bewohnern der ehemals eigenständigen Städte Rheda und Wiedenbrück, so befasste er sich nach dem Auftritt von Cellomania mit landes- und weltpolitischen Gegebenheiten. Familien- und Sozialsysteme, der Stand Deutschlands in Europa und die Auseinandersetzung von Ost- und Westdeutschen mit ihrer Geschichte boten zahlreiche Vorlagen, die Philipzen gekonnt und mit einer angenehmen Leichtigkeit an die begisterten Zuhörer brachte. Auch das Thema Fußball, mit dem er vor vier Jahren für ein besonderes Highlight gesorgt hatte, stand auf dem Programm.
Für einen besonders eleganten und perfekt pointierten Abschluss sorgte der Sänger, Tänzer und Schauspieler Robert Kreis, für den es weniger ein Programm ist, was er auf die Bühne bringt, sondern vielmehr seine Lebensaufgabe und -identität. Er ließ die 20er und 30er Jahre des 19. Jahrhunderts glaubwürdig aufleben, ließ zarte und gekonnt umrissene Erotik über den Platz schweben und übezeugte sowohl sprachlich als auch musikalisch. Ein Meister von zurückhaltendem aber gut durchdachtem und gereimtem Wortspiel, der die Dinge in unvergleichlicher Manier auf den Punkt bringt - kleine Künste, in Gütersloh ganz groß!
Beim Betrachten meines Berichtes kann ich durchaus von einem Abend der Superlative schreiben. Er war eine wundervolle Vervollständigung des Programmansatzes der Woche und gleichzeitig ein gelungenes "Bergfest". Ich freue mich auf mehr, Donnerstag mit den "Young Sinatras" und der "Mardi-Gras-Brass-Band".
Damit verabschiedet sich früher als mittlerweile gewohnt ins Bett: Der Ben.