Am 15.08. gegen 16.00 Uhr wird der imaginäre Fabrikschlot der Gütersloher Textfabrik in der Weberei besonders heftig qualmen: ein einmaliges Poesiefest der besonderen Art wollen etliche Dichter, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, zusammen mit dem Gütersloher Publikum feiern. Aus ganz Deutschland reisen Poeten an, um ausschließlich Gedichte zum Besten zu geben und ihre Begeisterung für die Poesie mit den Güterslohern zu teilen. Dabei werden die Zuschauer sehr verschiedene Lyrik zu hören bekommen.
Andreas Schumacher, der diesjährige Sieger des von Anton G. Leitner etablierten Lyrikpreises Hochstadter Stier, ist studierter Literaturwissenschaftler aus Stuttgart. Er schreibt Gedichte und Erzählungen, vorwiegend komischer, humoristischer Art, die u.a. in DAS GEDICHT (Anton G.Leitner/ Friedrich Ani, München 2009), bei dtv (smile, Poesie, die Spaß macht, 2009), in Der deutsche Lyrikkalender 2010 (Alhambra publishing), im Verlag Sankt Michaelsbund (Die Hoffnung fährt schwarz, Lyrikanthologie anlässlich des Ökumenischen Kirchentages 2010) oder im Schweitzerhaus-Verlag (Seitensprünge und Affairen, 2009) veröffentlicht wurden. 2007 debütierte er mit seinem Lyrikband Herr der Möhren in der Reihe Poesie21, in dem er Satire mit skurrilen Situationsbeschreibungen verbindet und selbst vor der Parodie bekannter Dichter nicht Halt macht. Nicht umsonst ist Schumachers Lieblingswälzer Don Quijote von Cervantes, aber auch Schriftsteller und Dichter wie Molière, Twain, Brecht und Gernhardt gehören zu seiner Lieblingslektüre. Am 15.08. wird Schumacher von Büroangestellten in Klokabinen, Kannibalismus beim Metzger, kiffenden Zivis und vor allem aus seinem realsatirischen Schulfächer-Nonsens-Zyklus zu berichten wissen.
Als zweiter ‘featured poet’ wird der achtzehnjährige Marlon Bösherz aus Gladbeck sein vielseitiges Talent demonstrieren. Bösherz begann bereits mit elf Jahren erste Gedichte zu verfassen. Während er sich anfangs gern mit Naturmetaphorik beschäftigte, gewannen seine Texte während seiner Jugendzeit an Ernsthaftigkeit und Tragik. Auf die Dichtung folgten Prosatexte (Kurzgeschichten, Theatermanuskripte, ein Roman, der noch einen Verlag sucht) sowie Darstellungen der Bildenden Kunst, die der impressionistischen Portraitmalerei nahe kommen. Darüber hinaus ist Bösherz mit Leidenschaft Musiker (Flügel, Gitarre, Gesang, von Klassik bis Jazz und Eigenkompositionen). Mit Straßenmusik nicht nur an seinem Wohnort, sondern auch in Russland, Italien, Dänemark und Berlin finanziert Marlon Bösherz sich Urlaube. Aus einer Künstlerfamilie stammend, besteht sein Traum darin, später ein Atelier in Paris zu betreiben. In der Tat weckt Marlon Bösherz’ Erscheinung melancholische Reminiszenzen an die vergangene Kunstbohème des Pariser Quartier Latin und des Montmartre.
Ebenfalls kein Geringerer als Multitalent Armin Sengbusch hat sein Kommen zugesagt. In enorm kurzer Zeit hat sich der eloquente Hamburger, in der Slamszene als Schriftstehler bekannt, mit seinen lyrischen Versen einen Namen gemacht und eine Nominierung für die im Herbst stattfindenden deutschsprachigen Meisterschaften in Essen gewonnen. Sengbusch hat bereits für den Herbst der Textfabrik Gütersloh sein musikalisch-lyrisches Soloprogramm fest zugesagt.
Desweiteren reist Gerhardt Butke aus Nordhorn an. Butke, von Haus aus Ingenieur und Lehrer, hat sich mit seinen Gedichten auf Plattdeutsch und ihren Übersetzungen einen Namen gemacht und wird somit eine ganz andere Variante der Dichtkunst zum Besten geben.
Die lokale Dichterszene aus OWL wird durch zwei Herausgeber des Bielefelder Literaturmagazins Tentakel vertreten sein. Ralf Burnicki, ebenfalls Teil des libertären Literaturprojekts »Edition Blackbox« in Bielefeld und vielfacher Preisträger, wird demonstrieren, dass Poesie, Politik und Gesellschaftskritik sich nicht ausschließen müssen. Peter Bornhöft, vielfacher Autor sowie Juror beim Bielefelder Wettbewerb Jugend schreibt, wird aus seinen Gedichten lesen. Auch Franziska Röchter wird es sich nicht nehmen lassen, kleine Lyrikbonbons zu servieren.
Ein weiteres Highlight werden der neunzehnjährige Wortakrobat, One-Man-Theaterbetreiber und Romanautor JeromeArn (‘Heiliger Adler’) aus Münster sein, der sich momentan mit seinem Projekt ‘Poeten gegen Analphabetismus’ einen Namen macht, sowie Peter Scholle, dichtender, singender und musizierender Gärtner aus Bad Lippspringe. Und noch etliche andere gestandene und Hobbydichter wollen den Nachmittag bereichern.
Für musikalische Umrahmung dieses geballten Poesiespektakels sorgt u.a. Raphael Röchter (16). Wie gewohnt bei freiem Eintritt.