16.08.2010 18:32

Textfabrik bot erneut beste Besetzung: Poesieregen in der Weberei

Rubrik: Theater, Gemischtes, Startseite, GTextra
Von: Franziska Röchter

Großes Lob für die Bandbreite der Veranstaltungsreihe

Gütersloh (franzi). Mit Gedichten die Weberei verzaubern – das wollten am Sonntag vierzehn Dichter aus ganz Deutschland, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. „Ein rundum gelungener Nachmittag. Abwechslungsreich, sehr sympathisch, sehr souverän!“ beglückwünschte Günter Specht, der Mann für Wildes Denken und Betreiber des virtuellen Gütersloh Tagebuchs, die Moderatorin Franziska Röchter. 

Die Veranstaltung spiegelte wieder, wie groß die Bandbreite der Lyrik und Poesie sein kann und dass jede Spielart ihre Berechtigung hat. JeromeArn aus Münster, Slampoet und Initiator von ‚Poeten gegen Analphabetismus’ sowie Nicole Kroupis, Oldenburg (www.myslam.net) heizten ein und vertraten die ‚Off-Literatur’ mit temporeichen Wortgefechten. Andreas Schumacher aus Stuttgart, diesjähriger Preisträger des Münchner Lyrikwettbewerbs ‚Hochstadter Stier’, vertrat gekonnt subtil den Bereich Realsatire und Nonsense-Gedichte. Sein Band ‚Herr der Möhren’ in der Reihe Poesie21 zeugt von Vorbildern wie Gernhardt, Ringelnatz und Kästner. Der erst achtzehnjährige Marlon Bösherz, Allroundtalent aus Gladbeck, bewies sich als gefühlsgeladene One-Man-Show, die locker einen Abend füllen könnte.  


Armin Sengbusch
(Schriftstehler) gab einen beeindruckenden Vorgeschmack auf sein Soloprogramm, mit dem er am 19. September die Textfabrik bereichern wird.Eine Freude war ebenso der Auftritt von Ralf Burnicki, Mitherausgeber des Bielefelder Literaturmagazins Tentakel, der mit seiner unaufdringlichen Kaufhaus-Poetry und Kritik an den  Konsumfronten („Kaufen, marsch, marsch!“) die Absurditäten des Alltags beleuchtete. Ganz gegensätzlich dazu Peter Bornhöft aus Bielefeld, ebenfalls Tentakel-Redakteur und Juror bei Bielefelds ‚Jugend schreibt’, der aus seinem demnächst erscheinenden Gedichtzyklus ‚Briefe aus Adrasan’ Reise- und Naturgedichte vortrug. Paola Reinhard, Autorin aus Bad Lippspringe, sowie Nicole Anwander aus Friedrichsdorf gaben aufgrund der Programmfülle kurze, aber beeindruckende Intermezzi, ebenso Claudia Ratering aus Münster, die Mitglied der Aasee-Poeten und des Public Poetry Scream ist. Alle Beiträge wurden einfühlsam von Raphael Röchter (16) am Stagepiano begleitet.  


Ein weiterer Höhepunkt war Gerhardt Butke aus Nordhorn mit seinen Gedichten in Niederdeutsch (Plattdeutsch), zu denen er gleich die Übersetzung mitlieferte. Unvergleichlich Peter Scholle und Simone Radhoff  von der mittlerweile bundesweit auftretenden Band BeJones aus Bad Lippspringe, die mit einer Kostprobe ihres musikalischen Repertoires für nachhaltiges Gänsehautfeeling sorgten. 



Fazit: ein prall gefüllter Nachmittag voller Höhepunkte, der für sehr unterschiedliche Geschmäcker etwas bereit hielt. Da fehlte nur noch die Sonntagnachmittagstorte vom Buffet. Franzi Röchter ließ ihre Texte im Rucksack, das Programm hätte auch für zwei Veranstaltungen gereicht.  



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