Gütersloh (ben). Ja, die Formulierung der Überschrift mag leicht abgehoben klingen. Höchste Töne sind das für einen ostwestfälischen Schreiberling wie mich. Um so sicherer kann man sich sein, dass ich das meine, was ich schreibe. Ja, vielleicht bin ich auch noch etwas benebelt beim Schreiben, weil ich noch nie in meinem Leben einem Poeten so gespannt gelauscht habe wie am vergangenen Donnerstag. An den Lippen habe ich geklebt, jede Bewegung erlebt und jedes Wort vernommen, gefühlt, gelebt. Und ja, ich gebe zu, diese Zeilen mögen somit meine sehr eigene Wahrnehmung spiegeln, denn nicht jeder wird so denken wie ich - aber das ist normal. Ich werde versuchen, plausible Erklärungen für den schnellen Erfolg einer Gütersloher Veranstaltungsreihe zu finden. Denn es war wieder so weit und das Kesselhaus der Weberei war wieder bis auf den letzten Platz besetzt: Es war SlamGT.
Ich muss auch gestehen, dass es mein erster Poetry-Slam war, den ich seit dem vergangenen Sommer besucht habe. Insgesamt war es der Zweite. Damals war es der Insel-Slam auf der Dalkeinsel, am Donnerstag dann also der SlamGT im Rahmen der Reihe "Kleine Bühne im Kesselhaus". Und genau hier, verbunden mit diesem Ort, vermute ich den ersten Grund des Erfolges: Das Kesselhaus ist nicht nur eine Location, nicht nur die leere Hülle für ein paar Slam-Poeten, die sich einen unerbitterlichen Kampf um die Gunst der Zuschauer liefern. Die alten freigelegte Backsteinmauern, die einfach aber gut gewählte wechselnd-farbige Beleuchtung selbiger und die Kompaktheit des Raumes, ohne dabei einengend zu wirken, ist etwas besonderes. Man fühlt sich auf Anhieb wohl dort - vermutlich die wichtigste Voraussetzung dafür, sich auf die Poesie in ihren unterschiedlichsten Formen einzulassen.
Und dazu gab es beim nunmehr vierten SlamGT reichlich Möglichkeiten. Zum ersten Mal war die Liste der Voranmeldungen bereits komplett ausgebucht, insgesamt acht Slammer legten sich die Wörter im Mund zurecht. In zwei Runden mit jeweils vier Teilnehmern wurden vom Publikum zwei Finalgegner ermittelt, die schließlich mit allen erdenklichen rhetorischen Mitteln und Waffen um den Sieg des Abends kämpften. Dabei war es egal, ob Franzi aus Verl (bei Gütersloh;) eigentlich lieber allein zu zweit wäre, ob Markus aus Paderborn die Welt philosophisch-sachlich als Pizza erklärt oder der spätere Finalist Dominik aus Helmstedt seine Erinnerung als Fotos seiner Seele bis zu dem Moment einsammelt, in dem er auf brutalste Weise ein "anderer" Mensch wurde - alle überzeugten das Publikum auf ihre ganz eigene Weise.
Alle überflügelt hat letztlich nur der Sieger Moritz Neumeier aus Itzehoe, der für seinen Auftritt als erstes das Mikrofon beseite stellte, dann einmal tief ausholte und das Publikum in seinen frei vorgetragenen und eindrucksvoll stimmlich wie körperlich betonten Vorträgen fesselte. Ein wirkliches Erlebnis also! Doch erwähnt seien auch die anderen Helden des Abends: Katharina und Euro aus Gütersloh, Markus aus Paderborn und Jan aus Hildesheim.
Zum Erfolg der Reihe tragen in meinen Augen außerdem maßgeblich die "Macher" bei, die in Moderator Micha-El Goehre einen wahren Kenner und Könner der Szene im Boot haben. Mit Julia Peschke und Wolfgang Hein steht ein wirklich starkes und engagiertes Team im Hintergrund, welches mit der kleinen Bühne im Kesselhaus in sehr kurzer Zeit eine wahre Bereicherung der Gütersloher Kulturlandschaft geschaffen hat.
Zusammenfassend nenne ich das, was ich erlebt habe, faszinierend und spannend (siehe oben). Und sicher ist auch, dass ich nicht das letzte mal im Kesselhaus der Weberei gewesen bin. Für alle, die weiterhin skeptisch sind: Einfach mal hingehen und einen Abend auf sich wirken lassen, es lohnt sich ein meinen Augen wirklich!
Mehr Infos zum SlamGT auf http://www.myspace.com/slamgt