Gütersloh (gpr). „Stärken zeigen“ heißt das Pilotprojekt der Hauptschule Nord, das 15 Schülern den Weg für die spätere Ausbildung ebnen soll. Momentan befinden sich die Neuntklässler in der praktischen Phase: Einmal pro Woche gehen sie für 90 Minuten in einen der acht Kooperationsbetriebe und kommen dabei ihrem Wunschberuf einen großen Schritt näher.
„Mir macht es großen Spaß und vielleicht ist es auch der Beruf für meine Zukunft“, berichtet Ebru Yüksel (14), die sich gemeinsam mit Freundin Svenja Seelige (15) für die Floristikwerkstätte Annette Borsum entschieden hat. An insgesamt zehn Mittwochnachmittagen dürfen sich die beiden Hauptschülerinnen an Blumenketten oder Kränzen versuchen und Schnittblumen zuschneiden – wie richtige Floristinnen. Neben der praktischen Arbeit im Betrieb hat das Projekt, das innerhalb des Wahlpflichtbereichs im Schulunterricht verankert ist, jedoch noch einiges mehr zu bieten.
„Ziel ist es das Selbstbewusstsein und die Motivation unserer Schüler zu stärken, damit sie eine höhere Chance auf dem Ausbildungsmarkt haben“, erklärt Übergangscoach von der Stadt Gütersloh Kathrin Schwienheer-Cordes. Das Projekt wird finanziell von der Familie Osthushenrich Stiftung, der Arbeitsagentur Bielefeld, der Stadt Gütersloh und der Hauptschule Nord unterstützt und soll insbesondere Migranten den Schritt in die Berufswelt erleichtern. 80 Prozent der Hauptschüler haben einen Zuwanderungshintergrund und stammen aus der Türkei, dem Irak, China oder Kasachstan. „Einige haben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und stehen im Wettbewerb um eine Lehrstelle deshalb unter hohem Druck“, berichtet Schwienheer-Cordes. Die Hemmschwelle ist hoch, doch daran wird im Laufe des Schuljahres gearbeitet.
Persönliche Stärke und Fähigkeiten erkennen und sie gezielt fördern, darum geht es. Wie präsentiere ich mich gut und was erwarten die Firmen eigentlich von mir? Das Bewerbungstraining im April macht die Neuntklässler fit für den Berufsstart. Ein ganz besonderer Punkt des Projekts ist neben dem praktischen Anteil die Miteinbeziehung der Eltern. Bei Elternabenden oder direkt über ihre Kinder können sie erfahren, wie sie die Sprösslinge bei der Berufsfindung gezielt unterstützen können. Höhepunkt des Projekts eine eigene kleine Berufsmesse am 9. Juni 2010. Jeder Schüler darf dort ein Produkt, was er selbst erarbeitet hat vorstellen und seine Firma und das Berufsbild präsentieren.
„Unsere Schüler haben großen Spaß am Projekt und sind motiviert“, erzählt Schulleiter Uwe Heidemann. Die Hauptschule Nord möchte ihr Pilotprojekt „Stärekn zeigen“ deshalb zukünftig fest im Schulunterricht integrieren. Das, so Heidemann, sei allerdings nur durch weitere finanzielle Unterstützung und die Kooperation mit den Betrieben möglich.
Das Angebot an Kooperationsfirmen im Wahlpflichtfach „Stärken zeigen“ ist groß. 15 Jungen und Mädchen durften sich zwischen 10 Schnuppereinheiten beim Parkhotel Gütersloh, der Floristikwerkstätte Annette Borsum, der Gärtnerei Setter, dem Malerbetrieb Timmermann, der Autolackiererei Gerks, dem KFZ-Meisterbetrieb Bruno Wiemann, Hotel Appelbaum und Pfleiderer Industrie entscheiden.
Im Bild: Die Neuntklässlerinnen Svenja Seelige und Ebru Yüksel (vorne von links) wollen vielleicht einmal Floristin werden. Galina Müller und Andreas Reinhold (FB Jugend), Lehrerin Ursula Hanhart-Wittig, Frank Hübenet ( Agentur für Arbeit), Schulleiter Uwe Heidemann und Kathrin Schienheer-Cordes (Übergangscoach) (hinten von links) unterstützen sie tatkräftig.