01.09.2010 23:51

MITTWOCH: Aufstrebende, dynamische und energiegeladene Powersounds

Rubrik: Woche der kleinen Künste 2010
Von: ben (kgi)

Gütersloh (ben). The same procedure... - Die Woche der kleinen Künste entwickelt sich mit dem dritten Tag allmählich zur Gewohnheit. Jeden Abend gegen 19:30 Uhr Eintreffen auf dem Platz und die Menschen begrüßen, bei denen man sich wundern würde, sie dort nicht erneut zu treffen. Bekanntschaften, Kollegen, Freunde, Verwandte - allesamt sind sie eine große Dreiecksplatz-Familie geworden. Nicht zu vergessen die "echten" Familien, bei denen Eltern und Großeltern ihre Kinder mitbringen, um ihnen ein wenig erstklassiger Kultur näher zu bringen. Oft gelingt das auch und dann hören zwölfjährige mit Vorliebe Jazz, dann sind Teenies begeistert von einer völlig durchgedrehten Blaskapelle oder Weltmusikern, bei denen einem beim Anblick der Fingerfertigkeit auf ihren Instrumenten beinahe schwindelig wird. Doch am Mittwoch gestaltete sich hier und dort doch einiges ein wenig anders, als gewohnt:


Wenn im Programmheft statt Jazz, Blues oder Weltmusik eine Musikrichtung Namens "Indie-Rock" angekündigt wird, dann werden Großeltern und Eltern hier und da wohl ihre Kinder um eine Auskunft gebeten haben und nicht umgekehrt. Vermutlich werden dann Kinder und Enkelkinder auch ihre Eltern gebeten haben, sie doch auf den Platz zu begleiten und ein Stück "ihrer" Kultur zu erleben. Ein interessanter Effekt, den die Macher der Woche ganz bewusst provozieren wollten. Ein Abend für die Jugend, fast wie damals, als die H-Blockxx einen überwältigenden Auftritt vor mehreren tausend - in großen Teilen jungen - Besuchern ablieferten. Der Mittwoch stand also ganz im Zeichen der jungen Musik - und die lieferten "The Kissaway Trail" in einer unglaublichen Qualität. 


Extra für die Woche der kleinen Künste eingeflogen und quasi schon wieder auf dem Sprung zum nächsten Auftritt in der Heimat zogen die Musiker um Frontmann Thomas Fagerlund das Publikum mit ihrem extrem gefühlvoll konstruierten Sound direkt in ihren Bann. Sympathisch und energiegeladen inszenierten sie ihre Musik, genossen ihren Auftritt sichtlich und bewiesen perfekt aufeinander abgestimmt ihr können. Die durchdringenden Bässe, die teilweise sphärisch anmutenden Synthsizer-Klänge, der treibende und doch einfühlsam gestaltende Rhythmus, die mehrstimmigen Gesangssätze und die den Sound vervollständigenden Gitarren-Einlagen erinnerten ein wenig an ihre seit Jahren erfolgreichen skandinavischen Kollegen "Mando Diao". Die Organisatoren der Woche trafen damit genau den Zeitgeist und die Interessen der jungen Besucher. Eine mutige Verpflichtung, die sich in allen Belangen gelohnt hat! Zudem sollte hiermit auch dem Gütersloher Publikum bewusst geworden sein, dass sich der musikalische Blick in die nordischen Nachbar-Länder durchaus lohnt.


Nach der Umbaupause betraten dann "The Tunics" aus London die Bühne. Als Vertreter des "klassischen" Indie-Rocks in der Besetzung E-Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug und Gesang taten sie sich zunächst schwer, beim Publikum anzukommen. Vor allem Frontmann Joe Costello suchte lange nach seiner stimmlichen Bestform und steigerte sich nur langsam dorthin, bis dann schließlich doch der Groove von der Bühne schallte, der das Publikum mitziehen und zum Tanzen bringen konnte. Vor allem die Zugabe zeigte dann noch einmal, dass die vier Jungs durchaus großes Potenzial mit in die Dalkestadt brachten.


Festzuhalten bleibt nach einer weiteren tollen Veranstaltung auf dem Dreiecksplatz, dass der "Abend für die Jugend" ein gutes und lohnenswertes Bestreben der "Macher" ist, welches unbedingt eine Fortsetzung finden sollte. Etwas ab vom Strom, den das eingefleischte Stammpublikum bevorzugt, sollte immer wieder ein Platz für Neues und auch ungewohntes bleiben. Letztlich ist es ja genau das, wovon die Kultur an diesem Ort lebt und profitiert: Die Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der Künste.


Und nicht zu vergessen bleibt, dass es letztlich doch völlig egal ist, ob Eltern ihre Kinder mitbringen oder umgekehrt. Das gemeinsame Erleben ist gelebte Kultur - und auch das ein wichtiger Bestandteil der Woche der kleinen Künste! Denken Sie also ruhig noch einmal nach, wen Sie am Donnerstag Abend zum Gala-Abend auf dem Dreiecksplatz mitnehmen könnten, um neben "Fourschlag" und "Herr Niels & Twelve Strings" auch die lebende Legende Jango Edwards live auf der Bühne zu erleben! Wie immer um 20 Uhr.


Auf ein Wiedersehen freut sich: Der Ben.


Weitere Berichte sind in unserem SPEZIAL zu finden!!! 


Alle Bilder mit herzlichem Dank an Karin Hoffschildt!





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