Gütersloh (nima). Jaaa. HEIMSPIEL! Ohne ständig rotzende Männer, die einer Rundung hinterherlaufen und vor allem keine Vuvuzelas! Ich danke meiner Lebensabschnittsheimat Friedrichsdorf, ich danke dem grandiosen Orga-Team des Wies`n Rock und Ben Hensdiek für diese über fünf Stunden Chillen in der Sonne zu fantastischem Sound aus Ost-west-phalia. Jaaa!
Dieses Festival war aus der Perspektive – allein mit meinem dreijährigen Sohn – ein etwas anderer Genuss, als die sonst üblichen Konzert-Erlebnisse. Doch um guter Musik zu lauschen, braucht man ohnehin eher Ohren, denn Münder. So widmete ich mich intensiv den Klängen und ferner auch den ständigen Pinkelgängen meines Söhnchens. Zur Belustigung der Security.
Auftakt um 16.30 Uhr gaben Rolling through the side, 2009 Gewinner des löblichen! Local Vision Band Contests. Nachdem Sänger Julian ausrief: „Ich sehe noch zu viel Wiese!“ sammelte sich ein Pulk Publikum direkt vor der Bühne und füllte den Rasen schon am Nachmittag. Der Start des Wies`n Rock durch Rolling through the side und ihre Einflüsse der Red Hot Chili Peppers war perfekt im Kasten. Und da Julian jeden ihrer englischsprachigen Songs mit einer deutschen Übersetzung ankündigte, würde mich OBACHT, TIPP: sehr interessieren, wie sich die Band mit Texten in unserer anMUTigen, deutschen Sprache präsentieren würde.
Zweiter Act waren High fired water, bei denen ich dreimal auf`s Programm schauen musste. Sänger Hauke hat die Haare ab und hätte sich damit glücklich schätzen sollen. Denn die Sonne knallte dermaßen auf die Bühne, dass er meinte: „Ich fühl‘ mich grad wie bei den Ballermannhits auf Mallorca.“ Hey, freut euch, die Wiese pogte und ich durfte meinem Sohn erklären, dass die Leute sich nicht verkloppen, sondern dies ein Tanz sei. Darauf gaben sich dann Capoeiristas die Ehre und die Eindrücke der Zuschauer wirkten bei dieser Vielfalt schier erschöpft.
So dass sich die Meute bei Monopol auszuruhen und vermehrt Pommes zu tanken schien. Dies spiegelte allerdings die wies‘ische Idylle wieder, während Johannes „Frieden auf Erden und Krieg im Weltraum“ sang. Monopol haben allemal einen Stein im Brett bei mir, weil ich deutschsprachige Musiker äußerst schätze.
Mit schlafendem Kind im Tragetuch hatte ich mich zu 777 endlich erhoben und merkte, dass ich mich trotz animierendem Rockabilly steif gesessen hatte. Ich stand also vor zwei Möglichkeiten – entweder ich begänne das quasimodische Swingen, oder Abmarsch nach Hause. Meine Zeiten der kaputten Brillen und Schrammen vom Pogo pausieren allerdings derzeit und ich trat tatsächlich den Heimweg an. Die AC/DC Coverband Big Balls verzeihe es mir. Dass ihr „dicke Eier und `nen fetten Sound“ habt, ist mittlerweile bekannt und ich höre euch ja dennoch gerade einheizen – beglückt von meinem treuen Tipper Balkon aus. Nun bin ich – nach den mysteriösen Kreidekritzeleien – gespannt, was uns nächstes Jahr für kreative Werbemaßnahmen erwarten. Jaha, jetzt versucht das HEIMSPIEL mal zu toppen!