Gütersloh (ben). Eine Woche lang Kultur auf dem Dreiecksplatz ist vorüber. Gefühlt reicht das Erlebte aus den fünf Tagen in seiner unglaublichen Vielfalt für das ganze Jahr. Wer wie ich jeden Tag dabei war, jeden Tag auf's Neue so überrascht wurde, der wird es ähnlich fühlen. Da kam es am Freitag gar nicht so ungelegen, dass zwei Bands die Bühne eroberten, die - erneut in bester Qualität - genau das machten, was man von ihnen erwarten durfte. Zwei besondere Highlights, die "massentauglicher" waren, als der Rest der Woche. Keine Experimente, keine ungewöhnlichen Klänge, sondern einfach klar strukturierter Bluesrock und feinster Ska. Das Publikum hatte es sich verdient und kam, wie aus den letzten Jahren gewohnt, am letzten Tag der Woche zahlreicher als an den anderen Tagen. Und auch, wenn damit alles gesagt wäre, fangen wir - wie immer - von vorne an:
Glatze, Bart und Brille - so ist der Mann überschrieben, der mit seiner Band den Auftakt des Final-Abends machte. "Mister Supercharge" Albie Donelly heißt er und mischte sowohl am Saxofon, als auch stimmlich mächtig auf. Begleitet von seiner Band startete er auf der Bühne eine bombastische Party, die ihres Gleichen sucht. Donnernde Bläsersätze und eingängige Rhythmen bildeten das Fundament für besten Bluesrock - faszinierende Soli der Musiker inbegriffen. Allen voran flog natürlich Donelly selbst über die Tasten seines Saxofons und zeigte, dass er und seine bereits 1973 gegründete Band kein bischen müde sind. Gitarrist Roy Herrington versetzte seinen virtousen Soli im Laufe des Abends immer neue Höhepunkte. Egal ob mit den Zähnen gespielt oder durch das Publikum laufend, ließ er ganz den Stimmungsprofi raushängen und sorgte damit mehrfach für anhaltenden Applaus. Ein toller Auftakt eines tollen Abends!
Doch damit nicht genug folgte das große Finale der Woche der kleinen Künste mit der bekannten Ska-Formation "The Busters", die die begonnene Party genüsslich fortsetzten. Die zehn Musiker aus Heidelberg vermittelten selbst denjenigen Spaß am Ska, deren bevorzugte Musikrichtung sonst eine ganz andere ist. Die bereits im Vorfeld erwarteten "Bläserattacken" prasselten nur so auf die Besucher nieder, die es zum Großteil sogar von den Bänken riss. All dies führte, gepaart mit dem wärmsten Abend dieser herbstlichen Woche, zu einem Gute-Laune-Jamaica-Feeling auf dem Dreiecksplatz.
Und auch um den Platz herum machte sich an diesem Abend zum ersten Mal die sonst gewichtigere "Volksfest-Stimmung" breit. Erstmals drängte sich das Publikum an den Getränkeständen und war der Platz umrandet von gesprächigen Kleingruppen, die das Angebot der Wohlfühlatmosphäre samt kostenloser kultureller Spitzendarbietungen gerne annahmen. Das ist der Platz, wie wir ihn kennen!
Freitag, 23 Uhr und 41 Minuten. Wer in diesem Moment auf die Bühne schaut, erlebt die letzten Akkorde einer grandiosen elften Woche der kleinen Künste auf dem Dreiecksplatz in Gütersloh. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die letzten Zuschauergruppen sich aufgelöst haben. Auf dem Weg nach Hause wird der ein oder andere ein breites Lächeln aufgelegt haben aus Freude über die Erlebnisse der letzten Tage. Später am Wochenende wird der Platz dann immer mehr aussehen wie noch vor einer Woche. Ohne die tolle Bühne, ohne Getränkestände und ohne das wunderbare Licht. Dann liegt die Wiese wieder ruhig da wie eh und jeh, mit dem quadratischen Stein in der Mitte und umrandet von den prächtig gewachsenen Linden.
Auch für Kulturgueter.Info geht damit eine arbeitsreiche, aber spannende und wieder einmal ungewöhnliche Woche vorüber. Wir bedanken uns für all das, was wir erleben durften - und ganz besonders bei Karin Hoffschildt für die tollen Bilder, die sie uns Nacht für Nacht zur Verfügung gestellt hat und die auch in einiger Zeit noch die Ereignisse der Woche 2010 in Erinnerung rufen werden.
Auch unseren täglichen Lesern danken wir - bleiben Sie uns treu und schauen sie hin und wieder mal rein, was in Gütersloh sonst noch kulturell passiert.
Am Ende der Woche doch sehr müde grüßt: Der Ben.