24.08.2010 15:15

Erfolgreiches Erzählcafe im Parkbad: Erinnerung an erste Schwimmversuche

Rubrik: Ausstellung&Kunst, Gemischtes, GTextra, Startseite
Von: gpr

Gütersloh (gpr). Fast wie in alten Zeiten: Mehr als 100 Besucher strömten am vergangenen Freitag zum „Erzählcafé“ ins Parkbad. Brechend voll war es in der ehemaligen Umkleide – dem „Stahlkäfig“ – und Moderator Dr. Rolf Westheider ließ die beliebte Veranstaltung des Verkehrsvereins im Gütersloher Sommer zu einer lustigen und interessanten Reise in die Vergangenheit werden.

„Das Parkbad ist meine Heimat, aber das ist es für viele“, erzählte Inge Frieg. Die Tochter des ehemaligen Schwimmmeisters Willy Bober war extra aus Essen angereist, um mit vielen Bekannten und anderen Liebhabern des Parkbads in Erinnerungen zu schwelgen. Damals, im Jahr 1950, machte sie als Neunjährige ihre ersten Schwimmversuche im Becken. Dafür kam sie an die „Angel“, eine Vorrichtung aus Gestänge, Kette und Schwimmgürtel, berichtete sie. Zustimmendes Gemurmel und vergnügliches Lachen zeigten, dass wohl schon so mancher Jungspund hier seine Erfahrungen mit der Schwimmhilfe gemacht hatte. Ganz klar, es sei schließlich „DAS Bad für die Gütersloher“ gewesen, betonte die Vorsitzende des Heimatvereins, Renate Horsmann, wie sehr ihr das Parkbad am Herzen liegt. 


„Das Schwimmbad hatte eine wichtige soziale Bedeutung im Leben der Bürger“, zeigte sich Dr. Rolf Westheider über den großen Andrang im Erzählcafé nicht verwundert. Schön, dass diese Anlage seit 1991 unter Denkmalschutz steht – es gehört einfach zur Gütersloher Geschichte. Eingestimmt wurden die Gäste mit dem Kurzfilm „Parkbad 1958“, den Gregor Zimmermann gekonnt am Piano begleitete. Um der Erinnerung auf die Sprünge zu helfen, zeigte Jana Brinkert von der Zentralen Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Gütersloh eine Präsentation historischer Fotos. Der Blick zurück konnte beginnen. 


Im Jahr 1925 gründete eine Gruppe Gütersloher Fabrikanten um Friedrich Wilmking und Carl Miele den Verein „Parkbad Gütersloh“. Sie wünschten sich eine schöne und ausreichend große Badeanstalt für die Dalkestadt. Am 2. Juni 1928 wurde das Parkbad mit einem offiziellen Festakt eingeweiht, bei dem bereits rund 2500 Gütersloher auf den ersten Sprung ins kühle Nass warteten. „Es war eine schlichte Veranstaltung, eben typisch für Gütersloh“, weiß Stadtmuseumsleiter Dr. Rolf Westheider zu berichten.  


Von Anfang an nutzte der Gütersloher Schwimmverein (GSV) die Anlage für seine Wettkämpfe und Großveranstaltungen, die immer tausende Besucher anlockte. „Damals trugen die Männer im Wettbewerb Dreiecksbadehosen, das war schon gewagt“, erzählt Waltraud („Puttchen“) Neumann, die Tochter des einstigen längjährigen Vorsitzenden des GSV, Hermann Surenhöfener, schmunzelnd. Sie selbst sei damals grundsätzlich von Anfang bis Ende Sommer jeden Tag im Parkbad gewesen. „Frösteköttelig“ durfte man da nicht sein, schließlich waren die Becken nicht beheizt. Und auch eine Badekappe war Pflicht. Sonst konnte es schon einmal Ärger mit den bekannten Schwimmmeistern Willy Bober oder Günther von Rauchhaupt geben. 


Unter dem Stichwort „Rimini“ konnten sich wohl nur die Parkbad-Liebhaber etwas vorstellen. Schon so manches Liebespaar hätte hier die ersten zarten Bande geknüpft, eben wie am berühmten italienischen Badeort. Und auch die legendären Schwimmfeste und die heimlichen, nächtlichen Badbesucher waren vielen noch in lebhafter Erinnerung. Man hätte sicherlich noch eine zweite Veranstaltung zu diesem Thema füllen können, so begeistert und auskunftsfreudig zeigten sich die Gäste. Für Inge Frieg ist klar, sie kommt wieder. Gemeinsam mit Freunden von früher über gemeinsame Erlebnisse sprechen: „Das war wunderbar“, lächelt sie. 


Bild1:
Früher wäre es noch verboten gewesen: Dr. Rolf Westheider, Inge Frieg und Renate Horsmann trauen sich auf den Mittelstreifen, der einst nur dem Bademeister zugänglich war. 

Bild2: Rosa und Hermann Hecker zeigen ein Zeugnis aus längst vergangener Zeit: das Schwimmzeugnis, ausgestellt 1942.



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